MR Übersetzungsliteratur
im dt. Frühhumanismus

MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Leonardus Nieß

Leonhard Nieß nennt sich in der Handschrift Roudnice (Raudnitz) / Nelahozeves, Lobkowitzsche Bibliothek, Cod. VI Fc 26 (früher: Praha (Prag), Národní knihovna, Cod. R VI FC 26) in den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts als Schreiber von Meister Ingolds guldîn spil und Albrechts von Eyb 'Ehebüchlein'. Seine Schreibsprache ist ostschwäbisch (vgl. Beckers, S. 74). Er dürfte mit dem Leonhard Nieß identisch sein, der im Liber Fraternitatis der Heilig-Geist-Bruderschaft in Rom 1478 zusammen mit dem Ulmer Frühhumanisten Heinrich Steinhöwel, dem Drucker Johann Zainer und weiteren Ulmer Familien genannt wird. Da Leonhard Nieß in unmittelbarer Nachbarschaft bekannter Ulmer Namen (z.B. Ehinger, Kraft, Neithart, Spieß) eingetragen wurde, dürfte er ebenfalls aus einer angesehenen Familie in Ulm stammen. Die Aufnahme der Ulmer Mitglieder veranlaßte der Ulmer Papiergroßhändler und Schwager Heinrich Steinhöwels, Hans Harscher (vgl. Amelung Nr. 32), der im Juni 1478 in Rom bezeugt ist.

Zusammen mit Leonhard Nieß wurde noch seine Frau Anna und sein Sohn Peter in die Heilig-Geist-Bruderschaft aufgenommen. Dies spricht durchaus für ein ansehnliches Vermögen der Familie, die sich damit wie die anderen Erbaren aus Ulm einen vollkommenen Ablaß sichern wollte. So bezeugt auch Albrecht Weyermann die Nieß als eine reiche Familie Ulms und hält für einen Hans Nieß 1486 Schuldforderungen an den Drucker Adam Plank fest (S. 373). Ob Ludwig Nieß zum Ulmer Familienzweig gehörte, der mit Hieronymus Nieß als Vertreter der größten Ulmer Zunft, der Kramerzunft, zwischen 1520 und 1530 zur Ulmer Führungsschicht gehörte (vgl. Geiger, S. 30), muß offenbleiben.

Verf.: cbk.

Schreiber von Handschriften:

Literatur:

Amelung, P.: Der Frühdruck im deutschen Südwesten 1473-1500. Eine Ausstellung der Württemb. Landesbibl. Stuttgart 1979, nr. 32 u. Abb. 71 (9. Zeile der Namenseinträge).
Becker, P. J.: Handschriften und Frühdrucke mittelhochdeutscher Epen: Eneide, Tristrant, Tristan, Erec, Iwein, Parzival, Willehalm, Jüngerer Titurel, Nibelungenlied und ihre Reproduktion und Rezeption im späteren Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Wiesbaden 1977, S. 74.
Geiger, G.: Die Reichsstadt Ulm vor der Reformation. Städtisches und kirchliches Leben am Ausgang des Mittelalters (Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm 11). Ulm 1971, S. 30.
Weyermann, A.: Nachrichten von Gelehrten, Künstlern und anderen merkwürdigen Personen aus Ulm. 2 Bde. Ulm 1798-1829, Bd. 1 , S. 373f.

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Bruderschaftsbuch der Heiliggeist-Bruderschaft zu Rom, Bl. 457a, Einträge vom 15. Juni 1478, Quelle: Amelung, P.: Der Frühdruck im deutschen Südwesten 1473-1500. Eine Ausstellung der Württemb. Landesbibl. Stuttgart 1979, Nr. 32, Abb. 71.

Version vom 27. 08. 2012 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/1940.