MRFHMarburger Repertorium zur
Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus

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Karl I. von Baden

MRFH 1320

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Dedikationen

Niklas von Wyle: 2. Translation: Guiscard und Sigismunda (Leonardo Bruni: De Guiscardo et Sigismunda = Boccaccio: Dec. IV, 1)
Niklas von Wyle: 4. Translation: Giovanni Francesco Poggio Bracciolini an Cosimo de Medici
Niklas von Wyle: 10. Translation: Enea Silvio Piccolomini an Herzog Sigismund von Tirol (De studiis et litteris)

Leben

Nach dem Urteil Pius II. (Enea Silvio Piccolomini) war Markgraf Karl I. von Baden (* 1427, † 24.02.1475) ein Mann von hervorragender Tüchtigkeit. Diese Äußerung verwundert nicht in Anbetracht der Tatsache, dass sich der Markgraf zusammen mit seinem Schwager, Albrecht Achilles von Brandenburg, dem Kreuzzugsaufruf des Papstes gegen die in Zentraleuropa einfallenden Türken anschließen wollte. Karl stand fest zu den Habsburgern, zunächst in den Vorlanden an der Seite Albrechts VI., dann zu Friedrich III. und Sigmund von Tirol. Das Bündnis wurde gefestigt durch die Vermählung mit Katharina von Österreich, einer Schwester Kaiser Friedrichs III., 1447.

Ebenso wie Margarethe von Savoyen oder Mechthild von der Pfalz sind auch Markgraf Karl I. und seine Gemahlin als frühe Förderer und Adressaten der frühhumanistischen Übersetzungsliteratur bezeugt. Eine enge Beziehung bestand zu Niklas von Wyle, der auch in diplomatischer Funktion für das Markgrafenpaar tätig wurde. So entsandte Karl I. ihn 1459 zum Fürstenkongress von Mantua, wo er stellvertretend für den Markgrafen eine Rede vor Papst Pius II hielt. Auch für Katharina von Baden weilte er längere Zeit am Wiener Hof. Die badische Markgräfin ist in den ältesten Handschriften Wyles erste Translatze, eine Übersetzung der Liebesnovelle 'Eurealus und Lucretia' von Enea Silvio Piccolomini als Widmunsempfängerin bezeugt. Ihrem Gemahl, Karl I. von Baden sind die beiden ältesten Translatzen, die Boccaccio-Novelle 'Guiscard und Sigismunda' (Dec. IV.1) nach der lateinischen Bearbeitung Leonardo Brunis (2. Transl.) und die Trostschrift Poggio Bracciolinis an Cosimo de Medici (4. Transl.), die auf den 16. Februar 1461 datiert ist, gewidmet. Die zehnte Translatze enthält eine Übersetzung des Erziehungstraktats über die studia humanitatis, den Enea Silvio einst für den jungen Sigmund von Tirol verfasst hatte und den Wyle nun in deutscher Sprache für die Söhne des Markgrafen schrieb. Der badische Hof gehörte somit nachweislich zu den frühsten Rezipienten humanistischer Übersetzungsliteratur in Süddeutschland.

Verf.: sl / cbk.

Literatur:

Hacker, V.: Frauenlob und Frauenschelte. Untersuchung zum Frauenbild des Humanismus am Beispiel der Oratio ad Bessarionem und der 16. Translatze des Niklas von Wyle. Mit kritischer Textedition, Quellenvergleich und Interpretation. Diss. Frankfurt am Main 2002, S. 122.
Hug, W.: Geschichte Badens. Stuttgart 1992, S. 113.
Krimm, K.: Karl, Markgraf von Baden. In: NDB 11 (1977), S. 219f. (digital).
Langmaier, K., M.,A.: Erzherzog Albrecht VI. von Österreich (1418-1463). Ein Fürst im Spannungsfeld von Dynastie, Regionen und Reich (Beihefte Reg. Imp. 38), Köln 2015, bes. S. 157f., 185ff.
Terrahe, T.: Heinrich Steinhöwels 'Apollonius'. Edition und Studien (Frühe Neuzeit 179). Berlin / Boston 2013, S. 22.

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Markgraf Karl von Baden [um 1465], Glasfenster in der Pfarrkirche zu Öhringen, Quelle: Renner, A. M.: Markgraf Bernhard II. von Baden. Quellen zu seiner Lebensgeschichte. Karlsruhe 1958, Abbildungsverz. S. 3.

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Wappen der Markgrafen von Baden, Scheibler'sches Wappenbuch, Quelle: München, BSB, Cod. icon. 312c, S. 12, Münchner Digitalisierungszentrum der BSB München [Zugriff: 08.03.10; 11:35 Uhr].

Version vom 09. 11. 2016 (MRFH). Permanent Link: mrfh.de/1320.